Yin Yoga – das ruhige Yoga

Yin Yoga – das ruhige Yoga

Yin Yoga – das ruhige Yoga
Photo by Conscious Design on Unsplash

Yoga ist nicht gleich Yoga: Es gibt nicht nur eine Weise, Yoga zu praktizieren, sondern unzählige verschiedene Yogastile. Teils sind sie parallel entstanden, haben sich voneinander abgeleitet oder beziehen gar andere Philosophien und Lehren mit ein. Diese Serie über die bekanntesten und verbreitetsten Yogastile soll etwas Licht in diesen Yoga-Wald bringen.

 

Was ist Yin Yoga?

Bei Yin Yoga handelt es sich um einen ruhigen, gar meditativen Yogastil. Die praktizierten Übungen finden meist im Sitzen oder Liegen statt und werden für mehrere Minuten gehalten. Das erlaubt dir, voll und ganz in einer Haltung anzukommen und dich in sie hinein zu entspannen. Yin Yoga bildet dadurch die perfekte Ergänzung zu dynamischen und fordernden Yogastilen, wie zum Beispiel Ashtanga oder Vinyasa Yoga – den sogenannten Yang Yogastilen.

Denn die Philosophie hinter Yin Yoga basiert auf dem chinesischen Prinzip von Yin & Yang. Yin steht dabei für die weibliche, Yang für die männliche Energie. Ausgeglichenheit und Gleichgewicht kann nur dann entstehen, wenn du sowohl Yin als auch Yang in deinem Leben zulässt. Da die heutige Welt aber sehr von Leistungsstreben, Stress und Hektik und damit von sehr viel Yang geprägt ist, kommt die sanfte Yin-Energie häufig zu kurz. Mit Yin Yoga kannst du dagegen angehen.

Die Entstehung von Yin Yoga

Als Begründer von Yin Yoga wird der amerikanische Yogalehrer Paul Grilley bezeichnet. Dieser wurde in den 1980er-Jahren auf den Kampfsportler Paulie Zink aufmerksam, welcher eine Symbiose aus Hatha Yoga und Taoismus geschaffen hatte: Tao Yoga. Paul Grilley wurde Zinks Schüler und stieg zudem tiefer in östliche Wissenschaften über feinstoffliche Energiebahnen ein. Er widmete sich zum Beispiel der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), der indischen Medizin, Qigong und Yoga. Er entwickelte Zinks Tao Yoga weiter und wurde Lehrer der Yogalehrerin Sarah Powers. Diese übernahm Grilleys Stil und gab ihm in den 1990er-Jahren schliesslich den Namen Yin Yoga.

Yin Yoga basiert dementsprechend auf verschiedenen östlichen Philosophien und bezieht insbesondere die indische Hatha Yogalehre sowie die chinesische Weltanschauung des Daoismus ein. Erkenntnisse über Energiebahnen wie Meridiane und Nadis sowie über Organsysteme, wie sie in der TCM verstanden werden, spielen dabei eine grosse Rolle.

So übst du Yin Yoga

Die Asanas, die im Yin Yoga praktiziert werden, sind aus dem Hatha Yoga abgeleitet. Da sie sich aber in ihrer Ausführung und Ausrichtung unterscheiden, tragen sie meist andere Namen. So heisst beispielsweise die Taube aus dem Hatha Yoga im Yin Yoga Schwan. Der essentielle Unterschied liegt darin, dass im Yin Yoga die Muskeln nicht aktiv sein sollen. Vielmehr zielen die Übungen auf die Öffnung von Knochen, Gelenken und tiefliegendem Bindegewebe ab.

Das wird mit passiven Haltungen erreicht, die über einen Zeitraum von mehreren Minuten gehalten werden. Es geht darum, in die Position hinein zu schmelzen und Anspannungen loszulassen. Dabei ist es empfehlenswert, Stück für Stück in die Haltung zu gehen und nicht direkt das Maximum an Dehnreiz zu suchen. Suche den Punkt, der sich angenehm anfühlt – es darf nichts wehtun.

Herausfordernd ist Yin Yoga vor allem für den Geist. Lange still in einer Position zu bleiben, sind viele gar nicht mehr gewohnt. Der Dehnreiz verändert sich mit der Zeit und kann im Geist Turbulenzen hervorrufen. Es gilt zu lernen, diese auszuhalten. Hilfreich ist es dazu, deine Aufmerksamkeit immer wieder auf deine gleichmässige, sanfte Atmung zurückzubringen.

Die meisten Yin Yogastunden beginnen und enden jeweils mit einer kurzen Meditation. Dazwischen werden verschiedene Übungen praktiziert, bei denen häufig auch eine ganze Reihe an Hilfsmitteln zum Einsatz kommen – Decken, Kissen, Bolster, Blöcke etc. Diese helfen dir, eine Position zu finden, die sich für dich und deinen Körper richtig anfühlt. Wichtiger Teil der Yin Yogapraxis ist auch das Auflösen der Haltung: Dem solltest du ebenso viel Achtung schenken wie der Haltung selbst und achtsam sowie langsam vorgehen.

Zu den typischen Yin Yoga Positionen zählen zum Beispiel die folgenden:

Der liegende Schmetterling

Komm in Rückenlage und bring deine Fusssohlen aneinander, so dass sich deine Knie zu den Seiten öffnen. Du kannst variieren, wie weit du die Füsse von deinem Becken entfernen möchtest. Die Arme kannst du zu den Seiten mit den Handflächen nach oben oder auf deinem Bauch ablegen. Lass sämtliche Anspannung in den Hüften los und konzentriere dich auf deine gleichmässige Atmung. Schliess deine Augen und bleib hier für etwa fünf Minuten.

Die Raupe

Bei der Raupe handelt es sich um das Yin-Pendant zu Paschimottanasana, der sitzenden Vorbeuge. Anders als in den Yang-Yogastilen darfst du deinen Rücken hier nicht nur rund halten, sondern sollst es sogar. Auch spielt die gerade, aktive Ausrichtung deiner Beine keine Rolle. Lass die Beine vielmehr locker und die Füsse entspannt. Zur Unterstützung kannst du dir zum Beispiel eine gerollte Decke unter die Knie legen oder Kissen und Bolster unter deinem Kopf platzieren. Halte die Position für gut fünf Minuten.

Der Korkenzieher

Leg dich auf deinen Rücken und stell die Füsse vor deinem Becken auf. Gib Gewicht in deine Füsse und hüpf mit deinem Becken ein kleines Stück nach links. Anschliessend lässt du deine Knie zur rechten Seite fallen und breitest die Arme mit den Handflächen nach oben zu den Seiten aus. Dein Nacken kann sich für die vollständige Wirbelsäulendrehung zur linken Seite drehen.

Finde mit deinen Knien einen Winkel, bei dem du entspannen und loslassen kannst. Du kannst auch ein Kissen zwischen oder auf deine Beine legen. Nach etwa vier bis fünf Minuten kommst du langsam zurück zur Mitte und wechselst die Seite.

Die Wirkung von Yin Yoga

Die Wirkung von Yin Yoga ist vielfältig und umfasst sowohl deinen Körper, deinen Energiefluss und deinen Geist. Auf körperlicher Ebene hilft dir Yin Yoga, beweglicher zu werden. Du dehnst deine Faszien und öffnest deine Gelenke. Das lange Halten in den Übungen stimuliert ausserdem deine Meridiane, deine Hauptenergiebahnen, die wiederum deine Organaktivität und die Selbstheilungskräfte deines Körpers anregen.

Auch auf geistiger Ebene passiert im Yin Yoga eine ganze Menge: Du lernst, loszulassen, dich hinzugeben und Situationen so anzunehmen und auszuhalten, wie sie sind. Denn was du während der Yogapraxis übst, findet irgendwann auch seinen Weg in dein Leben jenseits der Matte. Du erfährst im Yin Yoga tiefe Entspannung und bringst dich zurück in deine Balance. Ein ruhiger Geist ist das Ergebnis regelmässiger Yin Yoga Praxis und dein bester Begleiter im trubeligen, Yang-lastigen Alltagsgeschehen.

Quellen

Hug, René (2020): Yin-Yoga-Experte René Hug: Alles über Yin Yoga. Zugriff am 07.08.2020 unter https://www.yogaeasy.de/artikel/alles-ueber-yin-yoga

Zum vorherigen
Yoga Stil:
Hatha Yoga 
das klassische Yoga

Zum nächsten
Yoga Stil:
Bikram Yoga
das schweisstreibende Yoga

Share
Miriam Sommer

Miriam Sommer

Zeige alle Beiträge von Miriam Sommer

Miriam arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin. Durch längere Reisen in fremde Länder wuchs ihre Passion für achtsames, bewusstes Leben und Persönlichkeitsentwicklung. Während sie früher geübte Langschläferin war, ist ihr heute der frühe Morgen die liebste Zeit des Tages.

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar