Wie du mehr Einfluss auf dein Leben nehmen kannst

Wie du mehr Einfluss auf dein Leben nehmen kannst

Wie du Einfluss auf dein Leben nehmen kannst - Circle of Influence
Photo by Bobby Burch on Unsplash

Die vergangenen Monate haben uns eindrucksvoll vor Augen gehalten, wie schnell die Realität, die wir stets als selbstverständlich erachtet haben, urplötzlich ganz anders aussehen kann. Innerhalb weniger Tage wurde aufgrund der Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben fast vollständig stillgelegt. Für viele Menschen ging das nicht nur mit Ängsten um die Gesundheit und den Job einher, sondern auch mit Gefühlen von Kontrollverlust und Hilflosigkeit. Dabei ist Selbstwirksamkeit einer der wichtigsten Faktoren, wenn es darum geht, das eigene Leben zu gestalten. Wir zeigen dir, wie du mit einem kleinen Fokus-Verlagerung gefühlt wieder mehr Einfluss auf dein Leben nehmen kannst. 

Die meisten Menschen haben am liebsten alles selbst im Griff und müssen dennoch immer wieder erkennen, dass nicht alles kontrolliert werden kann – nicht nur in Pandemie-Zeiten, sondern auch im Alltag. Wie kannst du lernen, mit dieser Tatsache umzugehen und gleichzeitig das Gefühl zu erhalten, dass du dein Leben selbst in die Hand nimmst?

Die Balance zwischen Kontrolle & Loslassen

Fakt ist, du wirst niemals über sämtliche Bereiche deines Lebens bestimmen können. Das Wetter, politische Geschehnisse, Entscheidungen und Launen deiner Mitmenschen, die Wirtschaftslage sowie aktuell die Entwicklung der Fallzahlen und Einschränkungen zur Pandemiebekämpfung liegen nun einmal ausserhalb deiner Macht. Dennoch hast du immer einen gewissen Spielraum an Möglichkeiten, wie du auf äussere Begebenheiten reagieren und wie du selbst handeln möchtest. Du kannst zum Beispiel deine Kleidung dem Wetter anpassen, ins Wahllokal gehen, im Gespräch mit Mitmenschen deine Meinung äussern sowie dich an geltende Abstands- und Hygienegebote halten. Dadurch kannst du zwar nicht immer die Gesamtsituation ändern, aber du kannst deinen Teil dazu beitragen.

Das Wichtigste jedoch ist deine innere Haltung: Akzeptiere, wenn du eine Situation nicht verändern kannst, und übe dich in Gelassenheit. Wenn du dich über etwas ärgerst, obwohl du keine Möglichkeit hast, etwas dagegen zu tun, verschwendest du deine Energie. Tu, was du tun kannst, und dann lass es los und nimm an, dass das Ergebnis nicht immer in deiner Hand liegt.

Der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr hat diese Einstellung in seinem Gelassenheitsgebet gut zusammengefasst:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Circle of Influence

Der Autor Stephen R. Covey hat in seinem Buch Die 7 Wege zur Effektivität das Modell des Circle of Influence und darin drei verschiedene Bereiche definiert, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten können: den Circle of Concern, den Circle of Influence und den Circle of Control.1

Der Circle of Concern ist der äussere Kreis in diesem Modell und beschreibt den sogenannten Betroffenheitsbereich. Darin liegt alles, was dich oder dein Leben betrifft, was du aber nicht beeinflussen kannst – also beispielsweise der Arbeitsmarkt, das Wetter und die politische Situation. Alles, was ausserhalb dieses Kreises liegt, spielt für dich persönlich keine (grosse) Rolle, so zum Beispiel das Wetter in Australien.

Innerhalb dieses Circle of Concern liegt der kleinere Circle of Influence – der Bereich, der dich beeinflusst, den du auch mitgestalten, aber nicht kontrollieren kannst. Du kannst zwar nicht selbst entscheiden, ob du krank wirst oder nicht, aber du kannst dich gesund ernähren und ausreichend bewegen und dadurch auf deine Gesundheit einwirken. Ebenfalls liegt es zwar ausserhalb deiner Macht, wie eine Person denkt, fühlt und entscheidet, aber du kannst dein eigenes Kommunikationsverhalten steuern und dadurch deinen Beitrag zu eurer Beziehung leisten.

Der kleinste der von Covey definierten Bereiche ist der Circle of Control. Dieser Bereich liegt innerhalb des Circle of Influence und umfasst all die (wenigen) Dinge, die du tatsächlich kontrollieren kannst. Dazu zählen vor allem deine Handlungen, deine Entscheidungen und die Wahl deiner Worte. Es liegt ausserdem in deiner Hand, wie du mit deinen Mitmenschen umgehst, wie du deinen Tag strukturierst und welche Gewohnheiten du etablierst. Auch der Umgang mit aufkommenden Gefühlen ist erlernbar: Du entscheidest, wie du reagierst und wie sehr du dich von ihnen lenken lässt. Die Kontrolle der Gedanken ist nicht immer leicht, aber mithilfe von Achtsamkeitsübungen kannst du lernen, dass auch das möglich ist. Dadurch kannst du deinen Fokus bewusst legen und deine Wahrnehmung von bestimmten Situationen selbst wählen.

Handle proaktiv statt reaktiv

In Bezug auf die Corona-Krise liegt es ausserhalb deiner Kontrolle, wie sich die Fallzahlen entwickeln und wie PolitikerInnen darauf reagieren. Dennoch betrifft es dich, denn die Situation liegt in deinem Circle of Concern. Du kannst dabei nicht kontrollieren, ob dein Umfeld sich an bestehende Regeln hält, aber du kannst die Menschen um dich herum dazu ermutigen: Das ist dein Circle of Influence. In deiner eigenen Macht, deinem Circle of Control, liegt, ob du dich persönlich an Abstands- und Hygienegebote hältst. Ebenfalls bestimmst du selbst, wie sehr du deinen Fokus auf die unkontrollierbaren Aspekte der Pandemie legst und wie du darüber denkst.

Mit dem Wissen um diese drei Bereiche hast du zwei Möglichkeiten. Entweder, du handelst reaktiv und passt deine Handlungen an die Geschehnisse im äusseren Circle of Concern an. Oder aber du handelst proaktiv und nutzt deinen Circle of Influence aus.

Ein beliebtes Sprichwort lautet energy flows where attention goes. Wenn du also deine Aufmerksamkeit auf deinen Circle of Influence (inklusive deines Circle of Control) richtest, lenkst du deine Energie in die Bereiche, die du selbst beeinflussen kannst. Du hältst also beispielsweise Abstand, trägst in der Öffentlichkeit eine Maske und meidest grosse Menschenansammlungen. Das gibt dir das Gefühl, selbst etwas ausrichten sowie dich und deine Mitmenschen schützen zu können. Du fühlst dich dadurch positiver, aktiver und zufriedener.

Liegt deine Aufmerksamkeit hingegen überwiegend im Circle of Concern, auf den du keinen Einfluss nehmen kannst, wie den globalen Pandemieverlauf mit weiterhin steigenden Fallzahlen, fühlst du dich wahrscheinlich gelähmt und hilflos. Du investierst deine Energie in Dinge, die du nicht ändern kannst, und bekommst dementsprechend nichts dafür zurück. In deiner Wahrnehmung verringert sich dein eigener Circle of Influence und du hast das Gefühl, ein Opfer der Situation zu sein und fremdbestimmt zu leben.

Der eigene Fokus ist entscheidend

Es geht bei der Selbstwirksamkeit nicht darum, wirklich alles kontrollieren und beeinflussen zu können. Vielmehr geht es darum, dich so zu fühlen, als könntest du etwas bewirken. Richte deinen Fokus entsprechend aus und achte auf deine Handlungen, deine Wortwahl, deine Entscheidungen, deine Routinen und Gewohnheiten. Es liegt in deiner Hand, wie du deine Mitmenschen behandelst und wie gut du dich um dich selbst kümmerst.

Wie du hingegen behandelt wirst und wie sich Situationen in deinem Leben entwickeln, kannst du nicht immer kontrollieren. Du kannst aber Gelassenheit sowie Akzeptanz entwickeln und lernen, dass, egal was kommt, du weiterhin einen gewissen Handlungsspielraum hast. Diese Denkweise hilft dir insbesondere im Umgang mit herausfordernden Zeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie. Dich auf die Teile deines Lebens zu konzentrieren, auf die du weiterhin Einfluss nehmen kannst, gibt dir das Gefühl der Selbstwirksamkeit zurück – und damit die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes, erfüllendes Leben. Ebenso kannst du deinen Fokus auch in herausfordernden Zeiten auf die positiven Dinge in deinem Leben lenken, ohne die Schwierigkeiten dabei abzuerkennen. Vielmehr geht es darum, deinen Fokus anders auszurichten und trotz schwieriger Umstände Dankbarkeit für alles Gute in deinem Leben zu empfinden.

Quelle

[1] Covey, Stephen R. (2018). Die 7 Wege zur Effektivität. Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg. Offenbach: GABAL Verlag.

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Miriam Sommer

Miriam Sommer

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Miriam arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin. Durch längere Reisen in fremde Länder wuchs ihre Passion für achtsames, bewusstes Leben und Persönlichkeitsentwicklung. Während sie früher geübte Langschläferin war, ist ihr heute der frühe Morgen die liebste Zeit des Tages.

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