Wie Dankbarkeit den Alltag verändert

Wie Dankbarkeit den Alltag verändert

Dankbarkeit Morgenroutine Urbanrise
Photo by Taylor Deas-Melesh on Unsplash

Kaum ein Gefühl ist kraftvoller als Dankbarkeit. Hast du einmal versucht, gleichzeitig dankbar und wütend zu sein? Es geht nicht – die Dankbarkeit ist stets stärker. Wenn du von echter Dankbarkeit erfüllt bist, ist es unmöglich, im selben Augenblick traurig, frustriert oder ängstlich zu sein. Diese Erkenntnis kann lebensverändernd sein. Oprah Winfrey hat daher schon 2012 dazu aufgerufen, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen:

«Sei dankbar für das, was du hast, dann wirst du am Ende mehr haben.
Wenn du dich darauf konzentrierst, was du nicht hast, wirst du niemals genug haben.»

Auch die Psychologie- und Medizinforschung beschäftigt sich immer mehr damit, wie Dankbarkeit wirkt und welch positive Effekte sie auf die mentale und physische Gesundheit haben kann. Dabei geht es nicht um das einfache Danke, das du aussprichst, wenn dir jemand seine Hilfe anbietet, dir Glückwünsche oder ein Geschenk überbringt. Es geht um die tiefgehende Emotion der Dankbarkeit, die du in deinem Körper wahrnehmen kannst.

Dankbarkeit kann dich und dein Leben verändern

Dankbarkeit wirkt sowohl auf geistiger und körperlicher als auch auf sozialer Ebene. Sie führt zu positiveren Empfindungen, mehr Ausgeglichenheit, Vitalität, Optimismus, Freude und Genuss. Dein Immunsystem wird gestärkt, der Blutdruck gesenkt, Schmerzen reduziert und dein Schlaf verbessert. Gleichzeitig fühlst du dich mit deinen Mitmenschen verbundener, verspürst weniger Einsamkeit, wirst mitfühlender, hilfsbereiter und grosszügiger.

So ist Dankbarkeit zum einen ein wesentlicher Aspekt in der Glücksforschung, der dir zu einem erfüllteren Leben verhilft – privat und beruflich. Du gelangst aus einem Mangeldenken in ein Gefühl der Fülle. So verlässt du die Illusion, dass dir stets noch etwas fehlt, um glücklich zu sein. Darüber hinaus unterstützt Dankbarkeit wichtige Heilungsprozesse in deinem Körper und kann gewissen Krankheiten wie Angststörungen, Suchterkrankungen und Depressionen vorbeugen.

Wie wirkt Dankbarkeit?

Psychologen sehen vor allem den sozialen Faktor als entscheidend an, wenn es um die Frage geht, wieso Dankbarkeit so wirkungsvoll ist.1 Wir sind in der Regel für jemanden oder etwas dankbar, was ausserhalb von uns selbst ist – für einen externen Einfluss. Da der Mensch in seinem Kern ein soziales Wesen ist, führt dies zu einem stärkeren Empfinden von Verbindung, verbesserten Beziehungen und damit positiveren Gefühlen.

Ausserdem wird durch Dankbarkeit das zentrale Ruhesystem, der Parasympathikus, aktiviert. Das verringert chronischen Stress und hat grosse Auswirkungen auf dein Wohlbefinden und deine Gesundheit. Die Wirkungen von Dankbarkeit führen US-Forschern zufolge nach einiger Zeit sogar zu sichtbaren neurobiologischen Veränderungen.2

Dankbarkeit in den Alltag integrieren

Es ist für viele Menschen alles andere als alltäglich, echte Dankbarkeit zu empfinden. Für den menschlichen Geist ist es leicht, sich in Sorgen und Ängste zu verlieren, die ihre Wurzel häufig in der Vergangenheit oder Zukunft haben, anstatt sich auf den gegenwärtigen Moment zu fokussieren. Glücklicherweise ist Dankbarkeit wie ein Muskel, den du trainieren kannst. Wenn du ihn regelmässig aktivierst, wird dies mit der Zeit zur Routine und du spürst die Veränderungen in deiner Lebensqualität.

Dazu bedarf es keines aufwendigen Dankbarkeitsrituals. Es ist ausreichend, wenn du dir jeden Morgen fünf bis zehn Minuten Zeit nimmst und bewusst darüber nachdenkst, wofür du heute dankbar bist oder dankbar sein willst. Das können die Säulen deines Lebens sein, wie dein Partner oder deine Partnerin, deine Familie, dein Job, deine Wohnung oder deine Gesundheit. Oder aber die vielen kleinen, scheinbar unbedeutenden Dinge, für die du im Alltag schnell die Aufmerksamkeit verlierst: frisch gebrühter Kaffee, Sonnenschein oder eine grüne Ampel, wenn du spät dran bist. Optimalerweise schliesst du dieses Ritual an eine kleine Meditation an, da du dich dann in einem klaren, höheren Bewusstseinszustand befindest und der Übung mehr Effektivität verleihst.

Etwas herausfordernder, aber besonders wirkungsvoll ist es, dich darin zu üben, Dankbarkeit für die vermeintlich negativen Teile deines Lebens zu spüren. In der Regel haben auch schwierige Phasen und Konflikte das Potential für eine positive Kehrseite. Sie laden dazu ein, dich weiterzuentwickeln, etwas Neues zu lernen, dich im Loslassen zu üben oder dich wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Deutlich wird dies zum Beispiel in der aktuellen Corona-Krise, in der volle Supermarktregale, offene Grenzen und der Besuch bei der Grossmutter einen ganz neuen Stellenwert bekommen haben.

Sei dankbar für das Hier & Jetzt

Ob du deine Dankbarkeitsreflektion in einem Tagebuch festhältst oder nicht, ist dir überlassen. Probiere aus, was für dich am besten funktioniert. Wichtig ist allein, dass du währenddessen bewusst bei der Sache bist und dich darauf konzentrierst, die Dankbarkeit in deinem Herzen wirklich zu spüren. Mit etwas Übung wirst du bald merken, dass die Dankbarkeitspraxis nicht nur Teil deiner Morgenroutine geworden ist, sondern du auch im Laufe des Tages immer wieder innehältst und pure Dankbarkeit für den jetzigen Moment empfindest – wie auch immer dieser aussieht.

Quellen:

[1] Emmons, Robert A.; McCullough, Davis Michael E. (2003). Counting Blessings Versus Burdens: An Experimental Investigation of Gratitude and Subjective Well-Being in Daily Life. Zugriff am 30.05.20 unter https://emmons.faculty.ucdavis.edu/wp-content/uploads/sites/90/2015/08/2003_2-Emmons_McCullough_2003_JPSP.pdf

[2] Krini, Prathik; Wong, Joel; McInnis, Sydney et al. (2016). The Effects of Gratitude Expression on Neural Activity. Zugriff am 30.05.20 unter https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26746580/

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Miriam Sommer

Miriam Sommer

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Miriam arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin. Durch längere Reisen in fremde Länder wuchs ihre Passion für achtsames, bewusstes Leben und Persönlichkeitsentwicklung. Während sie früher geübte Langschläferin war, ist ihr heute der frühe Morgen die liebste Zeit des Tages.

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