Warum du mit Yin Yoga in den Tag starten solltest

Warum du mit Yin Yoga in den Tag starten solltest

Yin Yoga am Morgen
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Viele Menschen beginnen ihren Tag gerne mit Yoga: Die Praxis bringt frische Energie in den gesamten Körper, beruhigt den Geist und lässt dich fokussiert in deinen Tag starten. In der Regel ist damit eine aktive oder dynamische Yogaeinheit gemeint, wie zum Beispiel Hatha, Vinyasa oder Ashtanga Yoga. Ruhiges und entspannendes Yin Yoga findet auch in Yogastudios eher am Abend statt. Dabei kann Yin Yoga auf körperlicher Ebene insbesondere am Morgen vorteilhaft sein.

 

Mehr Balance und Ausgeglichenheit durch Yin Yoga

Im Yin Yoga wird die Hatha Yogalehre mit der Philosophie des Daoismus und der Traditionellen Chinesischen Medizin verbunden. Das Fundament bildet das Prinzip von Yin & Yang: Diesem zufolge brauchst du ein Gleichgewicht der gegensätzlichen Energien im Leben, um gesund zu sein. Yin ist die weibliche, Yang die männliche Energie. Die weibliche Energie steht für das Passive, Tiefliegende, Ruhige und die männliche Energie für Aktivität, Oberflächiges und Dynamik. Dabei ist keine besser als die andere, denn so wie das Licht ebenso wie die Dunkelheit benötigt wird, kann es auch kein Yin ohne Yang geben (und andersherum). Suchst du Harmonie, musst du beide Energien ausbalancieren.

Sowohl Yin als auch Yang befinden sich ständig im Fluss. Die Suche nach Gleichgewicht ist also niemals abgeschlossen, sondern ein andauernder Prozess, der dich dein Leben lang begleitet. Im Allgemeinen ist die heutige Welt sehr Yang-lastig und von Ehrgeiz, Leistungsorientiertheit und vollen Terminkalendern geprägt. Der moderne Lebensstil lässt dadurch kaum noch Möglichkeiten, um im Einklang mit dem Rhythmus der Natur zu leben.

Es ist natürlich, dass zu bestimmten Tages- oder Jahreszeiten eine der beiden Energien dominiert. So ist zum Beispiel der Winter sehr vom Yin geprägt, wodurch in der Natur alles auf Rückzug steht. Im Frühjahr und Sommer ist dann das Yang sehr präsent: Alles beginnt zu blühen und auch uns Menschen zieht es voller Tatendrang nach draussen. Wichtig ist es dennoch, dass du auch der jeweils gegensätzlichen Energie Raum gibst und nach Balance strebst – zum Beispiel durch die Yin Yogapraxis. Diese ergänzt dynamische Yang-Yogastile und bringt mehr Yin-Energie in dein Leben zurück.

 

Warum Yin Yoga gerne abends praktiziert wird…

Im Yin Yoga werden einzelne Haltungen für mehrere Minuten gehalten. Es handelt sich um passive Positionen, in denen nicht die Muskeln, sondern vielmehr die Faszien, Bänder, Knochen und Gelenke angesprochen werden. Auf geistiger Ebene führt Yin Yoga zu mehr Ruhe und Entspannung, auf körperlicher Ebene zu mehr Flexibilität und Gelenkigkeit. Spannend ist jedoch nicht nur die Frage, wie Yin Yoga praktiziert wird, sondern auch wann.

Ebenso wie die Jahreszeiten lassen sich auch die Tageszeiten einer Energie zuordnen. Tagsüber ist die Yang-Energie stärker: Du bist aktiv, gehst zur Arbeit und kümmerst dich um die Aufgaben und Erledigungen des Tages. Abends und nachts dominiert dann die Yin-Energie, der Körper braucht Ruhe und Erholung.

Aus psychologischer Sicht eignet sich Yin Yoga daher gut am Übergang zwischen Tag und Nacht und wird aus genau diesem Grund häufig am Abend praktiziert. Mithilfe der Praxis kannst du am Tag Geschehenes loslassen, angestauten Stress reduzieren und Körper und Geist sanft auf die anstehende Ruhephase vorbereiten. Im Anschluss an die Yin Yogastunde kannst du so nahezu problemlos in den Schlaf gleiten.

 

…und was für Yin Yoga am Morgen spricht

Stellst du hingegen die körperliche Ebene in den Vordergrund, fällt die Antwort auf die Frage nach dem perfekten Zeitpunkt für Yin Yoga anders aus. Denn tiefliegendes Bindegewebe wird am besten dann angesprochen, wenn die Muskeln kalt und entspannt sind. Dadurch verhinderst du, dass die langen Dehnreize von den bereits weichen und aktiven Muskelsträngen abgefangen werden und die Bindegewebsstrukturen kaum erreichen. Den grössten physiologischen Nutzen deiner Yin Yogapraxis erfährst du deshalb am Morgen direkt nach dem Aufstehen, bevor die Muskeln erwachen.

Letztendlich kommt es also darauf an, welchen Nutzen du dir von Yin Yoga erhoffst. Stellst du dein geistiges Wohlbefinden in den Vordergrund, eignet sich die Praxis hervorragend am Abend. Möchtest du vorrangig an der Flexibilität deines Bindegewebes und der Öffnung deiner Gelenke arbeiten, legst du sie lieber in die Morgenstunden. Selbstverständlich kannst du auch abwechselnd mal morgens und mal abends Yin Yoga üben. Mir tut die Yin Praxis am Morgen beispielsweise auch dann sehr gut, wenn ich mich körperlich schlapp und kraftlos fühle und mir dennoch Zeit auf der Yogamatte nehmen möchte, um morgens zuerst in meiner Mitte anzukommen.

Entscheidest du dich für eine Yin Yogaeinheit nach dem Aufstehen, kannst du diese auch mit einer kurzen aktiven Sequenz beenden, um so den Übergang in den Yang-dominierten Tag zu finden. Eine weitere Möglichkeit ist es, deinen Fokus auf sanfte Rück- und Seitbeugen zu legen (beispielsweise die Sphinx und Bananasana), da diese aktivierend und energetisierend wirken. So kommst du in den Genuss des erhöhten physiologischen Nutzens, ohne befürchten zu müssen, am Ende deiner Yogapraxis schläfrig zu sein.

Am besten probierst du einfach aus, wann Yin Yoga sich für dich am besten anfühlt. Vertraue auf dein Körpergefühl – niemand kann besser wissen, was du wann brauchst, als du selbst.

Literaturempfehlung

Clark, Bernie (2018). Das grosse Yin Yoga Buch. Stuttgart: TRIAS Verlag.

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Miriam Sommer

Miriam Sommer

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Miriam arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin. Durch längere Reisen in fremde Länder wuchs ihre Passion für achtsames, bewusstes Leben und Persönlichkeitsentwicklung. Während sie früher geübte Langschläferin war, ist ihr heute der frühe Morgen die liebste Zeit des Tages.

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