Tai-Chi: Was das meditative Muskeltraining bringt

Tai-Chi: Was das meditative Muskeltraining bringt

Tai-Chi - Was das meditative Muskeltraining bringt Morgenroutine
Photo by Thao Le Hoang on Unsplash

Ursprünglich wurde Tai-Chi als eine Form der inneren Kampfkunst entwickelt. Darunter versteht man Kampfkunstarten, deren Fokus auf der Entspannung liegt. Mittlerweile gilt Tai-Chi vor allem als Bewegungslehre, die weltweit von Millionen von Menschen praktiziert wird. Auch bei uns erfreut sich Tai-Chi immer grösserer Beliebtheit. Um Tai-Chi zu praktizieren, brauchst du lediglich bequeme Kleidung, eine ruhige Ecke und ein bisschen Zeit – schon eine Viertelstunde täglich soll zu einer Verbesserung der Gesundheit und Fitness führen und zudem die Lebensfreude steigern.

Körper und Geist im Einklang

Tai-Chi ist, wie etwa die Akupunktur, ein wesentlicher Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin(TCM) und soll die Selbstheilungskräfte aktivieren, allgemeine und chronische Müdigkeit verringern, Einschränkungen des Bewegungsapparats reduzieren und sogar das Immunsystem stärken. Aber auch Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Migräne, Herz-Kreislauferkrankungen, Gelenkschmerzen, Rheuma, Tinnitus, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Osteoporose sollen durch Tai-Chi gemindert werden.  (Ausführliche Infos über TCM findest du in diesem Helsana-Artikel). Durch die bewusste, tiefe Bauchatmung wird der Kopf ausgeschaltet und der gesamte Körper kommt ins Gleichgewicht und kann sich entspannen.

Das Interesse an Tai-Chi ist nicht nur in der Bevölkerung gross. Seit einigen Jahren befassen sich auch Forscher intensiv mit dieser jahrhundertealten Tradition. So konnte vor einigen Jahren ein Team von US-Medizinern1 nachweisen, dass regelmässige Tai-Chi-Übungen das Gleichgewicht und die Haltung von Parkinson-Patienten wesentlich verbesseren. Auch wer wegen starker Rückenschmerzen2 motorisch eingeschränkt ist und sich deswegen noch dringender bewegen sollte, kann diesen Teufelskreis mit Hilfe von Tai-Chi durchbrechen: Es schont die Gelenke und stärkt gleichzeitig die Muskulatur.

Doch auch wer keine Probleme hat und lediglich ein paar Kilo abnehmen möchte (und eher zur Sorte Sportmuffel gehört), kann mit Tai-Chi gute Resultate erzielen. Eine australische Forscherin der University of Queensland3 konnte nach drei Monaten regelmässigen Trainings bei ihren Probanden jeweils einen erheblichen Gewichtsverlust und geminderten Taillenumfang nachweisen.

Fliessende Bewegungen, poetische Namen

Wie zum Beispiel im Yoga gibt es im Tai-Chi verschiedene Formen, wobei in Europa vor allem das Yang-Tai-Chi praktiziert wird. Bei dieser Variante stehen genau festgelegte Abfolgen, sogenannten Formen, im Mittelpunkt. Insgesamt gibt es rund 60 verschiedene Formen, die so poetische Namen wie «der Kranich breitet seine Schwingen aus» oder «die schöne Dame am Webstuhl» haben. Wer mit Tai-Chi anfängt, sollte sich auf wenige Formen beschränken und diese dafür sehr sorgfältig und achtsam ausführen. Ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr. Denn auch wenn die Abläufe sehr einfach aussehen, kann zum Beispiel eine falsche Kniestellung am Ende einen schädlichen Effekt haben. Idealerweise besuchst du einen Kurs, wo du einige Grundabläufe lernst und diese dann zuhause übst.

Das Schöne an dieser ruhigen Sportart ist, dass sie nicht zeitintensiv ist und man sie so gut wie überall praktizieren kann. Es braucht keine aufwendige und teure Ausrüstung – bequeme Kleidung und eine ruhige Ecke genügen. Wichtig ist eigentlich nur, dass man seine Übungen nicht sporadisch, sondern regelmässig durchführt. Im Idealfall täglich. Zeit, die gut investiert ist, denn ein chinesisches Sprichwort besagt: «Wer regelmässig Tai-Chi übt, wird geschmeidig wie ein Kind, gesund wie ein Holzfäller und gelassen wie ein Weiser».

Quellen

[1] Fuzhong Li, Ph.D. u.a., Oregon Research Institute (F.L.): Tai Chi and Postural Stability in Patients with Parkinson’s Disease. Zugriff am 30.06.2020 unter: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1107911

 

[2] Yuan QL, Guo TM, Liu L, Sun F, Zhang YG: Traditional Chinese medicine for neck pain and low back pain. A systematic review and meta-analysis. Zugriff am 30.06.2020 unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25710765/

 

[3] Dr Xin Liu: The Effects of Tai Chi in Centrally Obese Adults with Depression Symptoms
Zugriff am 30.06.2020 unter: https://www.hindawi.com/journals/ecam/2015/879712/

 

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