Mini-Interviews mit GlücksexpertInnen: Tobias Esch

Mini-Interviews mit GlücksexpertInnen: Tobias Esch

Morgenstund hat Glück im Mund Interviews mit Glücksexperten
Photo by Jason Leung on Unsplash

Ein guter, sprich glücklicher Tag fängt morgens an. Schon die Minuten und Stunden nach dem Aufwachen definieren, wie sich der Rest des Tages entwickelt. Wer sich an den ersten Morgen in den Armen des Lieblingsmenschen erinnert, wird das bestätigen. Warum es aber keine Schmetterlinge im Bauch benötigt, um glücklich in den Tag zu starten und wie Morgenroutinen die Tonart des Tages bestimmen können, haben Fachleute des Glücks verraten und uns Einblicke in ihre ersten Stunden des Tages gewährt. Eines gleich vorweg: Ein gelungener Morgen passiert nicht zufällig…

 

Tobias Esch Portrait Interview Glück
Photo by Lukas Schulze

Prof. Dr. Med. Tobias Esch – Mit Morgenroutine zur Tonart des Tages

Von Letzterem ist auch Prof. Dr. Med. Tobias Esch1 überzeugt, der als Pionier der ganzheitlichen Allgemeinmedizin gilt und oft als Glücksforscher betitelt wird. Der Body-Mind-Mediziner, der seit 2016 an der Universität Witten/Herdecke forscht und lehrt, setzt sich dafür ein, Achtsamkeit, Bewegungs- und Ernährungsschulung sowie Stressmanagement in die Allgemeinmedizin zu integrieren. Der Autor von Büchern wie Die Neurobiologie des Glücks oder Der Selbstheilungscode2 ist überzeugt: Wenn Menschen selbst aktiv werden, trägt das nicht nur zu deren Gesundheit bei. Es macht Patienten und Arzt auch glücklicher.

Schon wenn alles gut läuft, fällt das Glücklichsein schwer. Wie gelingt es Menschen, die krank sind und jeden Tag mit Schmerzen aufwachen? 

Erstaunlicherweise ist es so, dass kranke Menschen nicht zwangsläufig unglücklicher sind. Im Gegenteil: Unsere Forschung hat ergeben, dass das Glücksgefühl im Laufe des Lebens in einer U-Kurve verläuft. In der Kindheit und Jugend sind Menschen eher glücklich, dann geht die Zufriedenheit häufig nach unten. Am unglücklichsten sind die meisten Menschen tatsächlich in der Lebensmitte. Mit zunehmendem Alter steigt – trotz gleichzeitig meist zunehmender Krankheit und Schmerzen – das Zufriedenheitsgefühl wieder an. Interessanterweise sind also Glück und Zufriedenheit nicht allein von einer guten Gesundheit oder von Schmerzfreiheit abhängig.

40 % der Lebenszufriedenheit lassen sich angeblich trainieren. Sie haben dafür das BERN-Konzept entwickelt und integrieren dieses in Ihrer Uniambulanz in die Patientenversorgung. Was hat es damit auf sich?

Die Säulen der Gesundheit und des Wohlbefindens, wie ich sie in unserem BERN-Konzept darstelle und wir sie auch unseren Patienten vermitteln, sind positives Denken und Handeln (Behavior), körperliche Aktivität (Exercise), innere Einkehr und Entspannung (Relaxation) und Ernährung (Nutrition). Wenn man diese Säulen ausrichtet, ist das nicht nur gut für die Gesundheit, sondern macht auch zufriedener. Wenn man bereits am Morgen mit dem BERN-Konzept beginnt, also beispielsweise mit etwas Frühsport und einer Meditation, dann ist für eine gute Basis gesorgt. Was man hat, das hat man, egal, wie der Tag weitergeht!

Welche Rolle spielt dabei eine Morgenroutine? 

Eine Morgenroutine hilft dabei, entspannt und gelassen in den Tag zu starten und die richtige Tonart für den Tag zu finden. Der eine mag in Ruhe ausgiebig frühstücken, der nächste braucht den Kaffee im Bett und die Jogging-Runde um den Block. Ganz egal, wie genau der Ablauf aussieht – wenn man die morgendliche Routine ohne Zeitstress geniessen kann, entspannt das und sorgt dafür, gut eingestimmt in den Tag zu gehen.  

Wie sieht Ihr persönlicher Start in den Tag aus? 

Ich versuche, den Tag achtsam zu starten – also beispielsweise bereits beim Aufwachen auf meine Atmung zu achten. Am Morgen mache ich im Anschluss dann einige Yoga-Übungen und eine Meditation. Im Laufe des Tages versuche ich – wie im BERN-Konzept empfohlen – 30 Minuten Bewegung zusätzlich zu den normalen Wegen unterzubringen. In Witten fahre ich dafür mit dem Fahrrad zur Arbeit. Wenn ich unterwegs bin, finde ich andere Bewegungsinseln. Was das Frühstücken angeht: Ich bin ein Freund davon, zwischen dem Abendessen und dem Frühstück eine Pause von 12 bis 14 Stunden einzuhalten. Heisst konkret: Ich beginne früh mit einem grünen Tee, dann kommen die körperlichen Übungen, dann das eigentliche Frühstück. Und danach geht es in die Uni.

 

Quellen:

[1] Profildetails von Prof. Dr. med. Tobias Esch. Zugriff am 20.05.20 unter www.uni-wh.de/detailseiten/kontakte/tobias-esch

[2] Bücher von Prof. Dr. med. Tobias Esch. Verfügbar bei Exlibris

Zum letzten
Mini-Interview mit
Irène Wüest

Zum nächsten
Mini-Interview mit
Maike van den Bloom

 

 

Share
Doris Neubauer

Doris Neubauer

Zeige alle Beiträge von Doris Neubauer

Schreibende, Vernetzende, Reisende und vor allem eine, die nicht still sitzen kann. Und doch ist Meditation neben Yoga sowie der Tasse Kaffee ein unerlässlicher Bestandteil ihrer Morgenroutine. Diese liebt sie genauso wie das Erzählen inspirierender, Mut machender Geschichten.

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar