Hatha Yoga – das klassische Yoga

Hatha Yoga – das klassische Yoga

Hatha Yoga - Das klassische Yoga
Photo by Stephanie Greene on Unsplash

Yoga ist nicht gleich Yoga: Es gibt nicht nur eine Weise, Yoga zu praktizieren, sondern unzählige verschiedene Yogastile. Teils sind sie parallel entstanden, haben sich voneinander abgeleitet oder beziehen gar andere Philosophien und Lehren mit ein. Diese Serie über die bekanntesten und verbreitetsten Yogastile soll etwas Licht in diesen Yoga-Wald bringen.

 

Was ist Hatha Yoga?

Hatha Yoga ist nicht nur der Überbegriff für sämtliche körperbezogene Yogapraxis, sondern bezeichnet auch einen eigenen, traditionellen Yogastil. Vor allem in Indien ist Hatha Yoga bis heute die am meisten gelehrte Yogaart, und auch hier im Westen ist Hatha Yoga sehr populär.

Das Sanskrit-Wort Hatha bedeutet übersetzt so viel wie Kraft oder Anstrengung. Gleichzeitig besteht Hatha aus den beiden Silben ha = Sonne und tha = Mond. Dies deutet auf zwei gegensätzliche Energien, die Sonnenenergie und die Mondenergie, hin, die in der Hatha Yogapraxis miteinander verbunden und in Harmonie gebracht werden.

Die Entstehung von Hatha Yoga

Bei uns ist Hatha Yoga vor allem in den vergangenen 50 Jahren bekannt geworden. In Indien entstand es allerdings schon deutlich früher. Überlieferungen deuten darauf hin, dass Hatha Yoga im 6. und 7. Jahrhundert seinen Ursprung hat und vom indischen Yogi Matsyendra und seinem Schüler Goraksha entwickelt wurde.1

Als grundlegende Schrift des Hatha Yogas gilt die Hatha Yoga Pradipika2, verfasst im 14. Jahrhundert vom Yogi Swatmarama. In diesem Werk werden nicht nur die Techniken, Methoden und Wirkungen der Hatha Yogapraxis beschrieben, sondern auch die Wurzeln beleuchtet. Diese liegen sowohl im Kundalini Yoga, dem Yoga der Energie, im Raja Yoga, dem Yoga des Geistes, als auch in der indischen Heilkunst Ayurveda.

Swatmarama stellte in der Hatha Yoga Pradipika zum ersten Mal den Körper in den Vordergrund. In älteren Schriften, zum Beispiel den Yoga Sutras von Patanjali, lag der Fokus auf der Arbeit mit dem Geist und dem Ziel, diesen zu reinigen und Selbsterkenntnis zu erfahren. Dieses höhere Ziel blieb zwar auch mit der Entstehung von Hatha Yoga bestehen, allerdings gewann die Arbeit mit dem Körper grösseren Stellenwert auf dem Weg dorthin. So nimmt die Beschreibung von Asanas(Körperhaltungen), Pranayama (Atemübungen), Mudras (Gesten) und Reinigungstechniken einen nennenswerten Raum in der Hatha Yoga Pradipika ein.

So übst du Hatha Yoga

Hatha Yoga ist ein eher ruhiger und klarer, aber dennoch kraftvoller Yogastil. Durch körperliche Anstrengung wird eine Einheit aus Körper, Geist und Seele angestrebt. Eine Hatha Yogastunde besteht üblicherweise aus Asanas, Pranayama und Meditation.

Zum Aufwärmen werden einige Runden des Sonnengrusses praktiziert. Dabei handelt es sich um eine dynamische Abfolge an Haltungen, bei der du Atem und Bewegung synchronisierst. Der Sonnengruss wärmt deinen gesamten Körper auf, dehnt und aktiviert deine Muskeln, versorgt dich mit frischer Energie und fördert deine Konzentration.

Anschliessend folgen Balanceübungen, stehende, sitzende, gedrehte und liegende Asanas sowie Umkehrhaltungen. Die praktizierten Asanas werden in jeder Stunde variiert, umfassen aber in der Regel sämtliche Körperbereiche und Bewegungsrichtungen (also zum Beispiel sowohl Rück- als auch Vorbeugen). Typisch für Hatha Yogastunden sind zum Beispiel die folgenden Übungen:

Vrksasana, der Baum

Beim Baum handelt es sich um eine Gleichgewichtsübung. Du verlagerst dein Gewicht zunächst auf ein Bein. In der Einatmung löst du den anderen Fuss von der Matte und platzierst ihn an der Innenseite deines Unter- oder Oberschenkels (Achtung: nicht am Knie!). Dein Knie zieht nach aussen und du versuchst, die Hüften in einer Linie zu halten. Deine Arme gehen entweder über deinen Kopf oder du bringst die Handflächen vor dem Herzen zueinander. Halte für einige Atemzüge, löse in der Ausatmung auf und wechsle die Seiten.

Virabhadrasana 1, der Krieger 1

Die Kriegerhaltungen zählen zu den bekanntesten Yogaübungen. Für den Krieger 1 setzt du in der Einatmung einen Fuss ungefähr vier Fusslängen hinter dem anderen auf und drehst ihn in einen 45°-Winkel nach aussen. In der Ausatmung sinkst du in dein vorderes Knie, so dass dieses direkt über deinem vorderen Fussgelenk ist. Versuche, dein Becken parallel zur vorderen Mattenkante auszurichten und halte deine Beine aktiv. Deine Arme streckst du nach oben aus und bringst gegebenenfalls die Handflächen aneinander. Halte für mehrere Atemzüge, tritt in der Einatmung zurück an den Anfang deiner Matte und wechsle die Seiten.

Paschimottanasana, die sitzende Vorbeuge

Komm ins Sitzen und streck deine Beine nach vorne aus. In deiner Einatmung bringst du deine Arme über deinen Kopf, findest Länge in deiner Wirbelsäule und in der Ausatmung beugst du dich nach vorne über deine Beine. Halte Beine und Füsse dabei aktiv und die Knie ruhig leicht gebeugt (vor allem, wenn du verkürzte Beinrückseiten hast). Zieh in der nächsten Einatmung noch einmal ganz bewusst dein Brustbein nach vorne, um Länge im unteren Rücken zu kreieren. Diese versuchst du während der Übung beizubehalten – das ist wichtiger, als mit den Händen deine Füsse zu umfassen. Halte für einige Atemzüge und löse in der Einatmung wieder auf.

Traditionell werden im Hatha Yoga die Asanas nacheinander geübt und nicht wie in anderen Yogastilen durch Flow-Elemente miteinander verbunden.

Den Abschluss bildet Savasana, die Schlussentspannung in Rückenlage. Diese ist ein wesentlicher Teil deiner Praxis und gibt deinem Körper die Möglichkeit, sich auszuruhen und Geübtes zu integrieren. Nach Savasana folgt oft noch eine Atemübung sowie eine Abschlussmeditation.

Die Wirkung von Hatha Yoga

Hatha Yoga wirkt ausgleichend und beruhigend auf deinen Geist. Gleichzeitig wird dein Körper gekräftigt und gedehnt. Über die Arbeit mit deinem Körper erlernst du eine bewusste Körperwahrnehmung, übst, deinen Atem zu kontrollieren und förderst deine Konzentrationsfähigkeit. Mit der Zeit wirst du die positiven Effekte deiner Hatha Yogapraxis auf dein gesamtes Wohlbefinden feststellen.

Aufgrund des langsamen Unterrichtstempos eignet sich Hatha Yoga übrigens optimal für Yoga-Neulinge.

Quellen

[1] Pratap, Robin (2019): Hatha Yoga – Kraft, Energie und Hartnäckigkeit. Zugriff am 01.08.2020 unter https://www.asanayoga.de/hatha-yoga/.

[2] Swatmarama: Hatha Yoga Pradipika. Verfügbar bei Yoga Vidya: https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/yoga-schriften/hatha-yoga-pradipika/

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Miriam Sommer

Miriam Sommer

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Miriam arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin. Durch längere Reisen in fremde Länder wuchs ihre Passion für achtsames, bewusstes Leben und Persönlichkeitsentwicklung. Während sie früher geübte Langschläferin war, ist ihr heute der frühe Morgen die liebste Zeit des Tages.

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