Eine neue Morgenroutine finden – Das Selbstexperiment (Teil 2)

Eine neue Morgenroutine finden – Das Selbstexperiment (Teil 2)

Experiment Morgenroutine ausprobieren
Photo by freestocks on Unsplash

Während des Corona-Lockdowns hatte sich plötzlich meine ganze Morgenroutine verändert und mir fiel jetzt erst auf, wie wichtig sie eigentlich für mich war. Ich begann mich intensiv mit dem Thema Morgenroutine auseinanderzusetzen und überlegte mir, wie ich meine noch verbessern könnte. Davon habe ich im ersten Teil meines Selbstexperiments bereits berichtet.

Ist es mir gelungen, meine Morgenroutine umzustellen und wie zufrieden bin ich jetzt mit meinem neuen Morgen?

 

Neue Routinen einbauen

Ich hatte beschlossen, Meditation und Journaling in meine tägliche Routine einzubauen. Aber wann wäre die beste Zeit für diese beiden neuen Elemente? Direkt nach dem Aufstehen oder lieber erst nach dem Frühstück? Da beide Methoden dazu gedacht sind, Stress zu reduzieren und Gelassenheit zu schenken, sollten sie nicht zwischen Tür und Angel eben schnell erledigt werden.

Wenn du auch etwas an deinem Morgen ändern möchtest, werde dir bewusst, wann die beste Zeit für das neue Element ist, das du in deine Routine integrieren möchtest. Kannst du es derart problemlos in deine bereits bestehende Morgenroutine einfügen, dass kein Zeitdruck entsteht? Lässt sich das neue Element leicht eingliedern, wird es dir nämlich nicht als Zeiträuber oder Störfaktor erscheinen, sondern vielmehr als Teil des Ganzen. So wird es schneller zu einer Gewohnheit.

Während ich das Journaling am Ende meiner bisherigen Morgenroutine neu hinzufügen wollte, sollte das Meditieren an die Stelle von Surfen im Internet treten – also eine alte Gewohnheit ersetzen. Willst du vielleicht auch eine alte Gewohnheit durch eine neue austauschen? Damit du das leichter durchhältst, kannst du dich beispielsweise mithilfe eines habit trackers leicht selbst motivieren. Jedes Mal, wenn du die neue Gewohnheit durchgezogen hast, machst du ein grosses Kreuz in deinen Kalender. Im Laufe der Zeit zeigt er dir dann, was du erreicht und wie du deine neue Routine umgesetzt hast. Diese Methode habe ich während meines Selbstexperiments auch genutzt und sehr geschätzt. Es ist ähnlich wie bei einer To-Do-Liste, auf der du die Dinge, die du erledigt hast, abhaken kannst. Jedes Häkchen ist wie ein kleines Erfolgserlebnis: Du hast es geschafft! Dieses Gefühl vermittelt dir auch der habit tracker.

Mein Tipp

Überfrachte deinen Morgen nicht mit neuen Ritualen. Wenn du dir zu viel auf einmal vornimmst, ist die Gefahr grösser, schon nach kurzer Zeit wieder aufzugeben und in alte Muster zu verfallen. Lass es lieber langsam angehen.

 

Meditation

Das Meditieren war bislang immer mal wieder Teil meines Lebens gewesen. In Zeiten, in denen ich mich besonders gestresst fühlte, half es mir, wieder herunterzukommen und abzuschalten. Wenn Meditation in Einzelfällen schon so gut hilft, so dachte ich mir, wird sie als festes tägliches Ritual sicherlich noch mehr Wirkung zeigen. Meditation soll ja sogar ähnlich entspannend sein wie ein Urlaubstag!1

Hal Elrod erklärt in seinem Bestseller The Miracle Morning, warum wir gerade am Morgen so von Meditation und Stille profitieren können:

Silence is one of the best ways to immediately reduce stress, while increasing your self-awareness and gaining the clarity that will allow you to maintain your focus on your goals, priorities, and what’s most important for your life, each and every day.2

Das war auch mein Ziel.

Ich hatte ungefähr 15 Minuten für meine morgendliche Meditation eingeplant, zwischen Aufstehen und Frühstück. In dieser Zeit hatte ich bis dato nicht mehr gemacht, als Facebook und meine Emails zu checken. Ganz vom Handy los kam ich auch bei meiner neuen Routine nicht: Zum Meditieren nutzte ich nämlich die App Headspace. Dort werden geführte Meditationen angeboten. Diese haben für mich den Vorteil, dass ich einer Stimme folgen und mich ganz auf sie konzentrieren kann. Sie gab mir Anleitung und verhinderte, dass meine Gedanken abschweiften.

Wenn du diese Methode gerne einmal selbst ausprobieren möchtest, dann vertiefe dich ruhig zuerst in eine der zahlreichen geführten Meditationen, die du auf YouTube findest. Diese sind gerade für Anfänger besonders gut geeignet.3 Sie machen es dir leicht, dich auf die Reise zu dir selbst einzulassen. Weitere einfache Meditationsübungen findest du auch in unserem Magazin.

Mein Tipp

Für deine morgendliche Meditation verlässt du am besten das Schlafzimmer. Noch im Bett zu meditieren entspannt vielleicht zu sehr und das Aufstehen fällt dann umso schwerer.

 

Journaling

Auch für das Journaling hatte ich 15 Minuten eingeplant. Das Aufschreiben meiner Gedanken sollte der letzte Punkt meiner täglichen Routine werden und den Morgen abschliessen. Ich hatte mich für das sogenannte freie Schreiben entschieden. Das heisst, der eigene Gedankenfluss soll ungefiltert aufs Papier gebracht und der Geist so von störenden Gedanken befreit werden. Julia Cameron hat diese Journaling-Methode in ihrem Buch The Artist’s Way beschrieben und festgestellt:

Once we get those muddy, maddening, confusing thoughts […] on the page, we face our day with clearer eyes.4

Störende Gedanken – das klingt erst einmal negativ. Gemeint sind jedoch jegliche Gedanken, die dir durch den Kopf schwirren, dich beschäftigen und ablenken. Das können auch Ideen oder Gedankenblitze sein. Freies Schreiben kann also wie eine Art Brainstorming sein.

Manchmal war ich überrascht, welche Gedanken das Schreiben zutage förderte, manchmal fiel mir wiederum kaum etwas ein, dass ich meinem Journal anvertrauen konnte. Das ist aber ganz normal. Mach dir selbst keinen Druck, wenn dir das auch passiert und du nicht so richtig in den Schreibfluss kommst. Statt nach 15 Minuten habe ich auch manchmal nach nur fünf Minuten mein Notizbuch wieder zugeklappt.

Mein Tipp

Schreib einfach auf, was dir gerade in den Sinn kommt. Ohne auf Punkt und Komma zu achten. Ohne zu zensieren. Es gibt keinen Kritiker, der dich be- oder gar verurteilen wird.

 

Was wird bleiben?

Einen Monat lang habe ich täglich meditiert und in mein Journal geschrieben. Schon nach ein paar Tagen habe ich gemerkt, dass die Meditation mir guttut. Ich fühlte mich danach entspannt und bereit loszulegen. Ich bin mir sicher, dass Meditation Teil meiner Morgenroutine bleiben wird. Mittlerweile fällt es mir auch leichter, die Gedanken vom Kreisen abzuhalten und mich ohne Anleitung auf mein Inneres zu fokussieren.

Vielleicht habe ich mir alle Gedanken ja auch beim Journaling weggeschrieben. 30 Tage lang täglich in mein Journal zu schreiben, war für mich tatsächlich anstrengender als gedacht. Ungefähr nach drei Wochen kam der Punkt, an dem scheinbar nichts mehr in mir war, was ich herausschreiben wollte. Um mein Experiment nicht zu sabotieren, schrieb ich dann eben darüber, dass ich nicht mehr wüsste, was ich schreiben sollte …

Journaling ist für mich mittlerweile etwas geworden, dass ich nach Bedarf und nicht mehr täglich mache. Demnächst möchte ich ausprobieren, ein Dankbarkeitsjournal zu führen: Sich bewusst zu machen, wofür man dankbar ist, soll sogar glücklich machen.5 Gelassen und glücklich in den Tag zu starten, klingt doch einfach toll, oder?

Die richtigen Bausteine für deine perfekte Morgenroutine zu finden, kann etwas dauern. Aber auch das Ausprobieren macht Spass und der Weg ist das Ziel.

Hast du auch vor, deine Morgenroutine zu ändern? Und was möchtest du damit erreichen?

Quellen

[1] May, Christopher J. et al. (2019). The relative impact of 15-minutes of meditation compared to a day of vacation in daily life: An exploratory analysis. Zugriff am 23.07.2020 unter https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/17439760.2019.1610480

[2] Elrod, Hal (2012). The Miracle Morning. The Not-So-Obvious Secret Guaranteed to Transform Your Life (Before 8AM). Miracle Morning Publishing.

[3] Staber, Daniela (2019). Geführte Meditation: Das sind die Vorteile. Zugriff am 23.07.2020 unter https://utopia.de/ratgeber/gefuehrte-meditation-das-sind-die-vorteile/

[4] Cameron, Julia (2016). The Artist’s Way: A Course in Discovering and Recovering Your Creative Self. New York, London et al.: Macmillan.

[5] Korb, Alex (2012). The Grateful Brain. The Neuroscience of Giving Thanks. Zugriff am 23.07.2020 unter https://www.psychologytoday.com/intl/blog/prefrontal-nudity/201211/the-grateful-brain

PfeilLinks

Wie das ganze begonnen hat, findest du im Teil 1 meines Selbstexperiments.

Share
Dr. phil. Jessica Koch

Dr. phil. Jessica Koch

Zeige alle Beiträge von Dr. phil. Jessica Koch

Die promovierte Literaturwissenschaftlerin arbeitet als freie Autorin und Texterin. Zusammen mit Mann und Stieftochter lebt sie in Wuppertal – nur ein Hund fehlt noch um das Glück perfekt zu machen. Jessica reist gerne und beschäftigt sich beruflich und privat mit Kunst und Kunstgeschichte(n). Momentan experimentiert sie mit den unterschiedlichsten Morgenroutinen und ist auf der Suche nach der perfekten Routine für ihren besten Start in den Tag.

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar