Das Jahr zum Abschluss bringen

Das Jahr zum Abschluss bringen

Rituale zum Jahresabschluss
Photo by Matheus Ferrero on Unsplash

In einem sind sich wahrscheinlich alle einig: 2020 hatte es in sich. Wer hat vor einem Jahr schon damit gerechnet, dass uns nur wenige Wochen später eine globale Pandemie erfassen und unser gewohntes Leben auf den Kopf stellen würde? Wohl die wenigsten. Weite Teile des Jahres waren geprägt von Corona und pandemiebedingten Einschränkungen, die weltweit Lockdowns, Grenzschliessungen und durchkreuzte Pläne mit sich brachten.

Und trotzdem ist es wichtig, das Jahr 2020 nicht einzig mit dem C-Wort abzustempeln und darauf zu setzen, dass 2021 Normalität zurückkehrt. Denn zum einen wird das nicht in absehbarer Zeit passieren und zum anderen bin ich davon überzeugt, dass das Jahr für jeden Einzelnen noch mehr zu bieten hatte. Im Aussen haben alle vermeintlich Ähnliches erlebt – in der Innenwelt kann das ganz anders aussehen.

Deshalb möchte ich dich dazu einladen, dir in den nächsten Tagen Zeit für deinen persönlichen Jahresabschluss zu nehmen. Dieser kann verschiedene Formen annehmen und soll dir dabei helfen, das Jahr in Frieden abzuschliessen, um mit Zuversicht ins neue Jahr blicken zu können.

 

Die grossen und kleinen Momente des Jahres erinnern

Wesentlicher Bestandteil eines Jahresrückblicks ist es, das Jahr Revue passieren zu lassen. Entweder vor dem inneren Auge oder mithilfe deines Kalenders, Tagebuchs, Fotoalben und Ähnliches. Erinnere dich an alles, was du 2020 erleben durftest – die guten wie die schlechten Tage. Dabei gilt es, genau hinzuschauen: Denn Menschen tendieren oft dazu, negativen Erlebnissen mehr Bedeutung beizumessen als positiven. Umso genauer du hinsiehst, desto mehr schöne, glückliche Momente werden dir vielleicht in Erinnerung kommen.

Eine Möglichkeit des Jahresrückblicks ist es, Monat für Monat anzuschauen. Nimm dir einen Zettel oder ein Notizbuch und schreibe für jeden Monat, von Januar bis Dezember, alles auf, was du mit dem jeweiligen Monat verbindest, was passiert ist und wie es dir ging. Lass dir Zeit dafür – manchmal kann ein intensiver Jahresrückblick überwältigend sein, so dass du ihn zwischendurch auch beiseitelegen und später fortführen kannst.

Eine andere Variante ist es, die Jahresrückschau nach Themen zu gestalten. Nimm dir nacheinander deine einzelnen Lebensbereiche wie Familie, Partnerschaft, Freundschaften, Beruf, Hobbys, Gesundheit, Spiritualität, Weiterbildung etc. vor. Schreibe auf, welche Entwicklungen und Rückschläge du erlebt hast, was dir besonders viel Freude oder besonders viel Trauer gebracht hat. Für diese Vorgehensweise eignet sich gut eine Mindmap, in der du deine Erinnerungen schriftlich oder künstlerisch festhalten kannst.

 

Dein Jahr reflektieren

Beim Jahresrückblick stand das Erinnern und Revue passieren lassen im Vordergrund. Ein weiterer Schritt ist es, das Jahr nun tiefgehender zu reflektieren. Das hilft dir dabei, Erlebtes emotional einzuordnen und zu verarbeiten. Ausserdem gelangst du möglicherweise zu neuen Erkenntnissen oder einem neuen Blickwinkel.

Die folgenden Leitfragen unterstützen dich in deiner Jahresreflektion:

  • Was waren die Highlights deines Jahres?
  • Was lief dieses Jahr gut? Was lief weniger gut?
  • Was hat sich 2020 verändert?
  • Welche Menschen haben dein Jahr geprägt?
  • Worauf bist du besonders stolz?
  • Welche deiner Ziele hast du dieses Jahr erreicht?
  • Was ist 2020 Unverhofftes oder Überraschendes passiert?
  • Wofür bist du dankbar?
  • Was würdest du gerne rückgängig machen?
  • Wem möchtest du vergeben?
  • Wofür möchtest du dir selbst vergeben?
  • Was waren die grössten Erkenntnisse, die du dieses Jahr hattest?
  • Inwiefern konntest du dich dieses Jahr weiterentwickeln?
  • In welchen Bereichen hast du Stillstand erlebt?
  • Was möchtest du loslassen und nicht mit ins neue Jahr nehmen?
  • Was möchtest du beibehalten?

Ergänze diese Liste ruhig mit weiteren Fragen, die dir intuitiv in den Sinn kommen. Auch hierbei gilt: Lass dir Zeit. Über einige Fragen wirst du vielleicht länger nachdenken müssen als über andere. Du musst deine Reflektion nicht in einem Zug abschliessen. Vielmehr kannst du dir auch päckchenweise einzelne Fragen vornehmen und über sie sinnieren. Oder warten, bis dir in der Meditation Antworten kommen.

Eine ausgiebige Jahresreflektion benötigt Zeit und Ruhe. Such dir immer wieder Momente der Stille und für dich allein, in denen du dich mit dem hinter dir liegenden Jahr auseinandersetzt.

 

Schreibe einen Brief an dein vergangenes Selbst

Ein besonders schönes Ritual für den Jahresabschluss ist es, einen Brief an dein Ich vor einem Jahr zu schreiben. Was möchtest du deinem 12 Monate jüngeren Selbst für 2020 mit auf den Weg geben? Worauf möchtest du es vorbereiten? Welche Ängste und Sorgen möchtest du ihm nehmen?

Versetz dich gedanklich in deine Situation vor genau einem Jahr. Erinnere dich an die Träume, Wünsche und Pläne, die du für 2020 hattest. Wahrscheinlich haben sich nicht alle davon erfüllt, vielleicht sind einige unerwartete Dinge passiert – gute wie schlechte. Nimm dir zur Vorbereitung gerne alte Tagebucheinträge oder deinen Jahresabschluss von 2019 zur Hand.

Indem du deinem vergangenen Ich einen Brief schreibst, betrachtest du das hinter dir liegende Jahr aus einer anderen Perspektive. Du schreibst an dich selbst, wie du an gute FreundInnen schreiben würdest. Diese neue Sichtweise verhilft dir vielleicht zu mehr Verständnis und Mitgefühl mit dir selbst.

 

Das alte Jahr loslassen: Vergebung und Dankbarkeit

Nun ist es an der Zeit, das alte Jahr tatsächlich loszulassen. Lös dich von der Vergangenheit, um bereit für die Zukunft zu sein.

Verbreitete Bräuche hierzu umfassen ein ausgiebiges Bad oder Räucherrituale. Die Reinigung deines Körpers steht symbolisch für das Freimachen von Altlasten und Vergangenem. Ebenso wird dem Räuchern nachgesagt, dass du deine Wohnung so von alten Energien befreist.

Ein weiteres schönes Ritual ist eine Vergebungs- und Dankbarkeitsmeditation. Nimm dir etwa 15 Minuten Zeit, mach es dir gemütlich, sorge für eine wohlige Atmosphäre und zünde eine Kerze an. Ausserdem benötigst du zwei Zettel und einen Stift. Schliess zu Beginn deine Augen und verweile einige Momente in Stille, mit der Aufmerksamkeit auf deinem Atem. Damm stell dir die Frage, wem oder was du vergeben möchtest. Nimm dazu den ersten Zettel und schreibe die ersten drei Personen oder Dinge auf, die dir in den Kopf kommen. Anschliessend verbrenn den Zettel. Schliess nun wieder deine Augen und frage dich, wofür du 2020 am dankbarsten bist. Nimm jetzt den zweiten Zettel, um wieder drei Dinge aufzuschreiben und den Zettel dann zu verbrennen. Zum Abschluss verweile einige weitere Minuten in stiller Meditation.

Mit diesem Ritual löst du dich zum einen von alten Vorwürfen und Schuldzuweisungen. Dadurch schaffst du Raum für Neues. Zum anderen führt dich die Besinnung auf Dankbarkeit in eine zufriedene, positive Stimmung, mit der du dich für alles Gute öffnest, was 2021 bringen mag.

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Miriam Sommer

Miriam Sommer

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Miriam arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin. Durch längere Reisen in fremde Länder wuchs ihre Passion für achtsames, bewusstes Leben und Persönlichkeitsentwicklung. Während sie früher geübte Langschläferin war, ist ihr heute der frühe Morgen die liebste Zeit des Tages.

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