Bikram Yoga – das schweisstreibende Yoga

Bikram Yoga – das schweisstreibende Yoga

Bikram Yoga Beschreibung
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Yoga ist nicht gleich Yoga: Es gibt nicht nur eine Weise, Yoga zu praktizieren, sondern unzählige verschiedene Yogastile. Teils sind sie parallel entstanden, haben sich voneinander abgeleitet oder beziehen gar andere Philosophien und Lehren mit ein. Diese Serie über die bekanntesten und verbreitetsten Yogastile soll etwas Licht in diesen Yoga-Wald bringen.

 

Was ist Bikram Yoga?

Beim Bikram Yoga geht es heiss zur Sache – denn hier wird bei einer Raumtemperatur von bis zu 40 Grad Celsius praktiziert. Das führt dazu, dass du ordentlich ins Schwitzen kommst und körperlich herausgefordert wirst.

Die geübten Yogahaltungen sind dabei dem Hatha Yoga angelehnt, wobei im typischen Bikram Yoga auf Meditation und spirituelle Aspekte weitestgehend verzichtet wird. Vielmehr steht die körperliche Arbeit im Vordergrund, was vielleicht ein Grund dafür ist, warum Bikram Yoga sich in den letzten Jahrzehnten grosser Beliebtheit im Westen erfreute. Selbst in Hollywood wandten sich viele bekannte Stars diesem Yogastil zu, darunter Madonna, Jennifer Aniston und Ashton Kutcher.

Eng mit dem Bikram Yoga verwandt ist das sogenannte Hot Yoga. Der Unterschied dieser beiden Yogaarten liegt jedoch darin, dass im Bikram Yoga eine festgelegte Asana Sequenz praktiziert wird. Im Hot Yoga hingegen steht es dem/der YogalehrerIn frei, welche Yogahaltungen geübt werden – festgelegt ist nur, wie der Name es schon vermuten lässt, die hohe Raumtemperatur.

 

Die Entstehung von Bikram Yoga

Dieser Yogastil wurde von Bikram Choudhury begründet, welcher bereits im Kindesalter in seiner Heimat im indischen Bundesstaat Kalkutta mit der Yogapraxis begann und mit 13 Jahren erstmals die Indische Yoga Meisterschaft gewann. Neben Yoga widmete er sich verschiedenen weiteren Sportarten, bevor er sich im Alter von etwa 20 Jahren eine schwere Sportverletzung zuzog. Die Ärzte attestierten ihm daraufhin, dass er niemals wieder laufen können werde.

Das wollte Choudhury jedoch nicht wahrhaben und bat seinen ehemaligen Yogalehrer Bishnu Ghosh um Hilfe. Gemeinsam entwickelten sie eine Yogasequenz, die Choudhury bei seiner vollständigen Genesung half und die er später unter dem Namen Bikram Yoga verbreitete. Da er selbst im quälend heissen Klima in Kalkutta übte und diesem eine positive Wirkung auf die Yogapraxis zusprach, wurde das Üben in hohen Temperaturen zum Alleinstellungsmerkmal von Bikram Yoga. Den Namen Bikram Yoga hat er mittlerweile in der EU markenrechtlich schützen lassen.

 

So übst du Bikram Yoga

Die im Bikram Yoga praktizierte Abfolge besteht aus 26 Asanas und zwei Atemübungen, sogenannten Pranayamas – eine zu Beginn und eine zum Abschluss. Eine Einheit dauert 90 Minuten und wird regulär bei 40,6 Grad Celsius (105 Grad Fahrenheit) und 40 % Luftfeuchtigkeit absolviert. Die einzelnen Asanas sind zwar nicht kompliziert, aber durchaus körperlich fordernd. Ähnlich wie im klassischen Hatha Yoga wird jede Position nacheinander ausgeführt und für mehrere Atemzüge gehalten. Es wird der gesamte Körper angesprochen, besonderer Fokus liegt aber auf der Wirbelsäule und dem Rücken.

Bikram Yogalehrer müssen in einem offiziellen mehrwöchigen Bikram Training zertifiziert werden, um diesen Stil unterrichten zu dürfen. Anders sieht das aus, wenn sie ihren Unterricht unter dem Namen Hot Yoga anbieten: Dann dürfen sie auch von der festgelegten Asana-Abfolge und den strikt vorgegebenen Ansagen abweichen.

 

Die Wirkung von Bikram Yoga

Der Fokus im Bikram Yoga liegt auf dem Körper. So soll die hohe Raumtemperatur, bei der Bikram Yoga geübt wird, die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern und sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken. Muskelgewebe und Sehnen werden bei Wärme geschmeidiger, was die Flexibilität und Dehnfähigkeit fördert. Zudem werden der Stoffwechsel und die Fettverbrennung angeregt, so dass einige sich von diesem Yogastil versprechen, Gewicht zu verlieren. Durch das viele Schwitzen liegt ein weiterer Effekt von Bikram Yoga in der Entgiftung und Reinigung des Körpers.

Solltest du allerdings Probleme mit deinem Bluthochdruck oder Herz-Kreislaufsystem haben, hol dir vorab ärztlichen Rat. Auch wenn du aus anderen Gründen besonders hitzeempfindlich bist, solltest du gegebenenfalls vorsichtig an diesen Yogastil herangehen. Achte ausserdem darauf, vor und nach der Praxis ausreichend Wasser zu trinken und leichte Sportkleidung zu tragen – frieren wirst du in dieser Stunde nicht.

 

Kritik an Bikram Choudhury

In den vergangenen Jahren geriet Choudhury immer wieder in die öffentliche Kritik – unter anderem wegen Zweifel an den gesundheitlichen Aspekten seiner Lehrmethode, der fehlenden spirituellen Tiefe dieses Yogastils und nicht zuletzt durch Vorwürfe der sexuellen Belästigung. In der Netflix-Dokumentation „Bikram: Yogi, Guru, Raubtier“ werden die Vorwürfe untersucht. Dabei ist jedoch im Blick zu behalten, dass Choudhurys Versagen auf menschlicher Ebene getrennt von dem gesundheitlichen Nutzen seiner Yogapraxis betrachtet werden muss.

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Miriam Sommer

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Miriam arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin. Durch längere Reisen in fremde Länder wuchs ihre Passion für achtsames, bewusstes Leben und Persönlichkeitsentwicklung. Während sie früher geübte Langschläferin war, ist ihr heute der frühe Morgen die liebste Zeit des Tages.

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