Ashtanga Yoga – das dynamische Yoga

Ashtanga Yoga – das dynamische Yoga

Ashtanga Yoga Beschrieb
Photo by Mor Shani on Unsplash

Yoga ist nicht gleich Yoga: Es gibt nicht nur eine Weise, Yoga zu praktizieren, sondern unzählige verschiedene Yogastile. Teils sind sie parallel entstanden, haben sich voneinander abgeleitet oder beziehen gar andere Philosophien und Lehren mit ein. Diese Serie über die bekanntesten und verbreitetsten Yogastile soll etwas Licht in diesen Yoga-Wald bringen.

 

Was ist Ashtanga Yoga?

Ashtanga Yoga geniesst den Ruf, der härteste, strengste und anspruchsvollste aller Yogastile zu sein, quasi die Königsdisziplin im Yoga. Ashtangis sind für ihre kräftigen, dehnbaren Körper bekannt sowie ihre unbändige Disziplin. Von diesem Vorurteil solltest du dich aber nicht abschrecken lassen. Denn obwohl Ashtanga Yoga durchaus körperlich herausfordernd ist und eine gewisse Selbstkontrolle voraussetzt, ist jeder irgendwann einmal als Anfänger gestartet. Das wissen auch (oder vor allem) die Ashtangis.

Der Unterschied zu vielen anderen Yogaarten ist im Ashtanga Yoga offensichtlich: Hier werden festgelegte Asana-Abfolgen, sogenannte Serien, praktiziert. Es wird also nicht in jeder Unterrichtsstunde mit verschiedenen Asanas variiert. Insgesamt gibt es sechs Serien, wobei jedoch nur wenige über die erste oder maximal zweite Serie hinaus üben. Denn erst, wenn du jede Position einer Serie in der nahezu korrekten Ausrichtung ausführen kannst, fährst du mit der sich anschliessenden Serie fort – je nach den individuellen körperlichen Voraussetzungen kann das mitunter mehrere Jahre dauern.

Ashtanga Yoga lebt von einer gewissen Strenge, wie man sie vom traditionellen Yoga in Indien kennt. Einigen ist dieser Yogastil daher zu einschränkend und unflexibel. Andere hingegen geniessen es, morgens nicht überlegen zu müssen, ob, wann, wie und was sie üben möchten. Schliesslich ist im Ashtanga alles vorgegeben. Letztendlich hilft nur eins: Selbst ausprobieren und herausfinden, ob du im Ashtanga Yoga deine Erfüllung findest oder eben nicht.

 

Die Entstehung von Ashtanga Yoga

Beim Ashtanga Yoga handelt es sich um einen der traditionellsten Yogastile aus Indien. Begründet wurde er in der jetzigen Form in Mysore, Karnataka von Sri K. Patthabi Jois. Dieser war seit Kindesalter Schüler von Krishnamacharya, dem Vater des modernen Yoga. Patthabi Jois hat fast 30 Jahre lang mit Krishnamacharya geübt und dessen Unterricht fortgeführt, als dieser 1948 Mysore verliess.

Um 1960 herum erschien Jois‘ Buch Die Yoga Mala, in welchem er die heute bekannten Übungsserien festschrieb. Seitdem reisten viele WestlerInnen nach Mysore, um Ashtanga Yoga zu lernen. So gelang die Yogaart von dort in den Rest der Welt. Im Jahr 2009 ist Patthabi Jois verstorben. Seine Yogaschule in Mysore besteht aber weiterhin und wird mittlerweile von seinem Enkel Sharath Jois geleitet.

 

So übst du Ashtanga Yoga

Disziplinierte Ashtangis erscheinen sechsmal die Woche in den Morgenstunden auf ihrer Matte: Tägliche Praxis ist das A und O. Klassischerweise beginnt deine Praxis mit dem Eröffnungsmantra auf Sanskrit. Anschliessend folgen bis zu zehn Runden der Sonnengrüsse A und B und Standpositionen wie das Dreieck, Balancehaltungen sowie die Krieger 1 und 2. Nach diesen wechselst du ins Sitzen und übst weitere Vorbeugen, Drehhaltungen und Hüftöffner. Jede Haltung wird für exakt fünf Atemzüge gehalten und dynamisch mit der folgenden verbunden. Das bringt dich durchaus ordentlich ins Schwitzen.

Alle sitzenden Asanas werden zudem durch sogenannte Vinyasas miteinander verbunden. Für ein Vinyasa trittst oder springst du in Chaturanga (= die schiefe Ebene) und kommst von dort in den heraufschauenden und dann in den herabschauenden Hund, bevor du wieder ins Sitzen trittst oder springst. Dies verfolgt das Ziel, dass du die zuvor aufgebaute Hitze im Körper nicht wieder verlierst. Die Abschlusshaltungen umfassen den ganzen Bogen, den Schulterstand sowie den Kopfstand. Zuletzt folgt eine Meditation im Sitzen sowie die wohlverdiente Schlussentspannung, Savasana.

Besonderer Fokus liegt im Ashtanga Yoga auf der Atmung, den Bandhas sowie dem Dristi.
Typisch im Ashtanga ist die Ujjayi-Atmung, auch bekannt als Meeresrauschen-Atmung. Du verengst leicht deine Stimmritzen, so dass in der Ein- und Ausatmung durch die Nase jeweils ein leichtes Rauschen in der Kehle entsteht. Jede einzelne Bewegung wird während der Yogapraxis dann im Einklang mit der Atmung ausgeführt.
Die Bandhas sind die sogenannten Energieverschlüsse. Du kontrahierst dazu bestimmte Muskeln, um an diesen Stellen die Energie zu bündeln und zu verhindern, dass sie deinen Körper verlässt. Laut der traditionellen Yogalehre stärkt und schützt der Einsatz von Bandhas deinen Körper.
Ein Dristi ist ein Fokuspunkt. Das bedeutet, dass du deinen Blick während der Asanas auf einen ganz bestimmten Punkt ausrichtest, wie zum Beispiel deine Nasenspitze.

Traditionell wird Ashtanga Yoga im Mysore Stil unterrichtet, benannt nach der Geburtsstadt dieses Yogastils. Dabei wird die Praxis nicht von einem oder einer vornestehenden YogalehrerIn angeleitet, sondern die SchülerInnen üben die bekannte Serie in ihrem eigenen Tempo. Der oder die YogalehrerIn geht währenddessen umher und gibt individuelle Hilfestellungen.

Wenn du Ashtanga Yoga zuhause ausprobieren möchtest, findest du hier eine Youtube Lektion.

 

Die Wirkung von Ashtanga Yoga

Der sichtbarste Effekt einer regelmässigen Ashtanga Praxis ist sicherlich ein trainierter, dehnbarer Körper. Innerhalb weniger Wochen wirst du die positiven Effekte deiner Praxis auf Kraft, Ausdauer und Flexibilität spüren. Dennoch geht die Wirkung dieses Yogastils tiefer. Dein Körper sowie auch dein Geist werden durch die tägliche Praxis gereinigt und von Energieblockaden befreit. Du lernst, Abstand zu deinen eigenen Gedanken zu gewinnen und übst dich zudem in Geduld und Demut. Denn dass die Abfolge der Übungen herausfordernd ist und die Yogis an ihre persönlichen Grenzen bringt, war auch ihrem Erfinder bewusst. So lernst du, was es heisst, Disziplin zu beweisen.

Ashtanga Yoga ist ausserdem nicht nur vom Namen her mit dem achtgliedrigen Yogapfad nach Patanjali verbunden (ashta = acht, anga = Glied). Dieser beschreibt den Weg der Yogis zur Befreiung von allem Leid und umfasst die folgenden Glieder:

  • Yama = Moralkodex
  • Niyama = Selbstdisziplin
  • Asana = Körperhaltungen
  • Pranayama = Atemübungen
  • Pratyahara = Rückzug der Sinne ins Innere
  • Dharana = Konzentration
  • Dhyana = Meditation
  • Samadhi = überbewusster Zustand der Glückseligkeit

Die körperliche Praxis auf deiner Yogamatte ist demzufolge nur ein Teil deiner Yogapraxis. Ashtanga Yoga umfasst im strikten Sinne sämtliche Bereiche deines Lebens und verfolgt das Ziel, dich zur Erleuchtung zu bringen.

Es ist aber auch völlig in Ordnung, wenn nicht gleich die Erleuchtung der Grund ist, warum du mit Yoga beginnst. Auch ein trainierter, gesunder Körper kann eine Motivation sein – die Effekte auf Geist und Seele kommen von ganz alleine. Wenn dein Interesse am Ashtanga Yoga geweckt wurde, gib diesem Yogastil einfach eine Chance und mach dir dein eigenes Bild.

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Miriam Sommer

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Miriam arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin. Durch längere Reisen in fremde Länder wuchs ihre Passion für achtsames, bewusstes Leben und Persönlichkeitsentwicklung. Während sie früher geübte Langschläferin war, ist ihr heute der frühe Morgen die liebste Zeit des Tages.

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